Escape Your Mind

23 Mai 2005

Die "Neue Deutsche Welle"? [Updated]

Von der Deutschrap-Szene habe ich mich in den letzten Monaten/Jahren immer mehr abgewandt. Die richtige Entscheidung in meinen Augen. Denn was ist aus der deutschen HipHop-Szene eigentlich in den letzten Jahren geworden? Ich erinnere mich nur zugerne an die Zeit, in der ich mit dem HipHopArchiv (für Unwissende: mein erstes Online-Projekt, relativ erfolgreich, ca. 250 Hits/Tag) anfing, Kontakte zu Menschen aus der Szene knüpfte, mit PR-Menschen der Labels Kontakt hatte, Material für Gewinnspiele, sowie neue LPs zugeschickt bekam. Damals hatte es mir noch Spass gemacht, Teil eines Ganzen zu sein, von guter Musik mit Sinn und Verstand zu berichten. Ich denke an Acts wie Blumentopf, Curse, Eins Zwo, Doppelkopf oder auch Unbekanntere Acts wie Versbox oder Casino, die mit mehr oder minder kleinem Kapital und auch wenig Aussichten auf großen Gewinn, gute Musik machten/machen. Die einfach Musik machten, um Musik zu machen. Acts aus einer Zeit, in der deutscher HipHop nicht die Pop-verseuchten Charts stürmte. Ami-Proll-Rap tat das zu dieser Zeit längst, aber eben nicht die deutsche Rap-Musik. Die ganze Problematik nahm ihren Lauf mit dem auftauchen von Deutschrap in den Charts, die Eingliederung in den Mainstream. Das hielt sich mit Fanta 4, Fettes Brot oder den Beginnern noch in akzeptablen Grenzen, ich hielt es auch für gut, dass gute Musiker mit gut produzierter (und auch gut beworbener) Musik, ihr ihnen zustehendes Geld machen. Ich will nicht auf den "Anti-Kommerz-Trip" aufspringen, wer hart arbeitet, soll auch etwas davon mitnehmen. Was aber heutzutage in der Szene abgeht, ist für mich in keinster Weise begreiflich. Die Amerikanisierung hält auch im Musikgeschäft Einzug, und so gibt es kein friedliches Nebeneinander-herleben unter den Rappern mehr, sondern, wie bei den Amis lange üblich, ständig sinnlose Streits, die meiner Meinung nach keinen anderen Sinn haben, als auf Titelseiten der Juice, Backspin oder gar der Bravo (NEIN, ganz bewusst kein Link) zu kommen (Hallo Sido!). Mindestens ebenso lächerlich, aber eben auch PR-fördernd, sind die "Städte-Kämpfe", Westberlin-Ostberlin, Hamburg-Berlin etc... Eine ganz neue PR-Masche ist es allerdings, mit Hitler Zitaten zu werben, und auf den patriotischen/nationalistischen Zug aufzuspringen, wie das Fler macht. Der Rapper setzt, natürlich Aggro Berlin-typisch, auf das Untergrund Image, das Jugendliche mit dummen, stupiden, teils schon asozialen Texten lockt. Auf seinem Album-Cover protzt ein Bundesadler. Ich frage mich nach Sinn und Zweck, und stoße wieder auf die PR. Eigentlich haben die Jungs von Aggro die ganze Promotion geschickt eingefädelt. Das beweisen nicht zuletzt die Verkaufszahlen des Fler-Albums. Mittlerweile steht die "Neue Deutsche Welle" übrigens auf Platz 5 der deutschen Album Charts. Man fragt sich zurecht nach der sooft diskutierten Gürtellinie, wenn ein Album mit "Ab 1. Mai wird zurückgeschossen."-Slogans beworben wird. Warum ist es Künstlern möglich, mit qualitativ schlechter Musik, mit lächerlichen, asozialen und nationalen Texten, derartige Erfolge zu erzielen? Ist es vielleicht deshalb, weil Jugendliche zusehends "verrohen" und auf Hardcore-Battle-Rap stehen? Nein, vielmehr ist es die Berieselung von allgemein schlechter Pop-Musik in den Charts. Aggro Berlin bietet Abwechslung, etwas Anderes. Das wird so hingenommen von der jüngeren Generation, akzeptiert, ohne nach Alternativen zu suchen. HipHop sollte kritisch bleiben, und nicht in einem fort auf Mainstream-Erscheinungen vertrauen, um über diese die eigenen Geldbeutel zu füllen. Und vor allem sollte HipHop und Musik im Allgemeinen einen Sinn erfüllen: Und zwar das zusammenführen verschiedener Kulturen, Ländern und Generationen, ohne Rücksicht auf Hautfarbe, politischer oder religiöser Einstellung. Anstelle dieser "Ziele" sind Kapital und Gewinn gerückt. Ich hoffte auf (nicht zuletzt Rap-) Musik als letzten Anker in einer amerikanisierten, kommerzialisierten Welt. Aber ich irrte. Ich will niemandem meine Meinung aufs Auge drücken, ich wollte sie nur loswerden. Es bleibt euch überlassen, wie ihr über die Musikszene denkt. Wer diesen Artikel aber verbreiten möchte, soll es tun. Vielleicht spreche ich dem ein oder anderen ja auch aus der Seele, wer weiss. Update: Mir fiel gerade auf, dass ich wenig gutes an der "Szene" lasse. Was ist eigentlich die "Szene"? Zur "Szene" gehören für mich alle deutschen HipHop-Acts. Und die sind wahrlich nicht alle schlecht, sonder gibt es durchaus sehr gute. Oben sind bereits einige genannt, die heute auch noch Musik machen. Ein wirklich geniales Review zur "Neuen Deutschen Welle", habe ich übrigens bei laut.de gelesen.

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